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atzeratze Administrator

Geschlecht:  Anmeldungsdatum: 09.01.2006 Beiträge: 58 Wohnort: HH-Hamburg
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Verfasst am: 15.07.2006, 17:00 Titel: Die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland. Das Resumee |
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An dieser Stelle beginnen wir mit dem, in meinen Augen, unrühmlichen Ende der Fußball-WM.
Italien ist nach Elfmeterschießen im WM-Finale von Berlin gegen Frankreich Weltmeister 2006 geworden.
Für mich ist das eine große Enttäuschung und macht damit eigentlich schon wieder vieles von dem großartigen Ereignis kaputt, was sich die Menschen gemeinsam in den letzten vier Wochen hier erarbeitet und aufgebaut haben.
Der Grund liegt vornehmlich für mich im “spielerischen” Bereich. Mit Italien und Frankreich haben es zwei zwar taktisch sehr gute Mannschaften ins Finale geschafft, beide Teams spielen aber eben eine sehr unattraktive, langweilige und langsame Form des Fußballs.
Italien mit seinem ergebnisorientierten Cattenacio, spielt vielleicht noch unschöneren Fußball als Griechenland 2004 in Portugal.
Dazu kommt, daß das italienische Team die Stereotypen, die ihnen seit Jahrzehnten im Fußball anhängen nachhaltig untermauert hat. Mit einem zum Teil sehr unsportlichem Verhalten “kämpfte” man sich Runde um Runde bis ins Finale.
40 Schwalben, 19 Wutausbrüche, 7 Schiedsrichter Bedrängungen, 12 Verletzungen vorgetäuscht, 11 gelbe, 2 rote bei 105 Fouls sprechen Bände. Damit gehören die Italiener mal wieder zu den unfairsten Nationen der WM. Ein sehr fragwürdiges Foulspiel - ermöglichte Italien überhaupt erst den Einzug ins Viertelfinale.
Als in der 95. Minute im Spiel gegen Australien Schiedsrichter Cantalejo aus Spanien auf den Punkt zeigt begünstigt er klar die italienische Mannschaft.
Dreimal spielte Italien in der Finalrunde 0:0 nach neunzig Minuten:
Gegen Australien, wo man unverdient erst in der Nachspielzeit das erlösende Tor schaffte, wie auch gegen Deutschland und Frankreich.
Dazu zeigte man keine sportliche Größe, wie man an unrühmlichen Foulspielen, wie der Ellbogen-Check von “de Rossi” gegen die USA, das erwähnte zweifelhafte Foul an “Grosso” im Achtelfinale, der TV-”Beweis”, der zur zweifelhaften Sperre von “Frings” im Halbfinale führte oder letztlich die Provokation durch “Materazzi“, die zur roten Karte gegen “Zidane” im Finale führte sehen kann. Deswegen fällt es mir schwer von einem verdienten Titelgewinn für die Azzuro zu sprechen, zumal spielerisch Frankreich über weite Strecken, des von mir bis - auf die letzten Minuten - boykottierten Finales, selbiges dominiert haben soll.
Nicht nur in Bezug auf die Regelauslegung auf dem Platz diktiert der Fußball-Weltverband das Geschehen.
Im Vorfeld haderten viele mit den Vorgaben der FIFA in Bezug auf Werbung, Ticketverkauf oder die ominöse Bannmeile.
Aus unsäglichen Stadionnamen wie “Allianz”-Arena oder “Signal-Iduna”-Park wurden die FIFA-WM-Stadien und alle Sponsoren-Logos von nicht offiziellen Partnern der FIFA-WM 2006, mußten entfernt werden. In Stadien wurde Anheuser Busch Budweiser ausgeschenkt, einzig Bitburger hatte als verbliebener deutscher Brauer eine Schanklizenz.
Die Offiziellen wurden nicht von Mercedes-Benz, BMW oder Audi zu den VIP-Lounges chauffiert sondern in Produkten der typisch deutschen Automobilschmiede Hyundai.
Ob dies alles so sinnvoll ist um dem Gastgeberland entsprechend auch nicht nur durch die Infrastruktur und durch die Bevölkerung die Option zu bieten sich zu präsentieren sei dahin gestellt. Dennoch werden sich im Zuge dieser enormen Kommerzialisierung die Verantwortlichen sicherlich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten noch einiges Überlegen müssen, wie sie die Vermarktung dieses weltweiten Events nicht irgendwann so kaputt verkauft haben, daß die Auswüchse am Konsumenten vorbei zielen.
Ich denke, bei Ticketpreisen von mehreren hundert Euro im Zweifel sollte man nicht nur den VIP-Touristen, der sich gemeinhin als Stimmungskiller entpuppt, zuvorkommend behandeln, sondern auch denjenigen, der diese Veranstaltung erst zu einem richtigen Ereignis macht: Nämlich demjenigen, der lautstark mit tausend anderen im Stadion für Stimmung sorgt - und nein, dies ist nicht der Animateur Stadionsprecher.
Die Kommentatoren waren aber bei dieser Weltmeisterschaft wieder einer Vollbeschäftigung ausgesetzt, die ihresgleichen suchte: Reihenweise mußte man Fairplay-Statistiken bemühen um überhaupt noch den Überblick behalten zu können, welcher Spieler überhaupt noch spielberechtigt war.
Mit einer eher eigenwilligen Regelauslegung hielt die FIFA ihre Schiedsrichter dazu an, das Spiel entsprechend direkt zu unterbrechen und Spieler nicht nur zu ermahnen, sondern auch direkt zu verwarnen. Bei einem Turnier wie einer Weltmeisterschaft zeigt sich einmal mehr, daß Fußball überall in der Welt anders gespielt wird. Während sich einige Europäer mit schon Oscar-reifen Vorstellungen unsportlich Vorteile
zu verschaffen wissen, können zum Teil diese Darbietungen Schiedsrichter aus anderen Erdteilen noch nicht korrekt einschätzen. Ein Verhängnis, welches sich Italien zu nutzen machte.
Das Turnier lebte wieder von zweifelhaften Entscheidungen, welche die Schiedsrichter unnötig in den Mittelpunkt stellten. Ein guter Schiedsrichter sollte ein Spiel unauffällig leiten, bei vielen Spielen war der Schiedsrichter der Hauptakteuer auf dem Rasen. Das kann und darf einfach nicht sein. Ebenso wie man sich als Verband eine klare Linie auferlegen sollte, nach denen man im nach hinein gefundene Unsportlichkeiten bewertet.
Nicht nur der defensive Fußball muß sich ändern, auch müssen die Schiedsrichter deutlich erfahrener sein und sich über die Spielweise der teilnehmenden Nationen besser informieren. Vielleicht sollten Top-Schiedsrichter, die ja in Zukunft Profis Berufsschiedsrichter sein sollen, durch die einzelnen Kontinentalverbände rotieren. Schon 2002 stand der Weltverband mit seinen Schiedsrichtern in der Kritik. Denn es ist bei diesem Spiel notwendig die Regeln nicht einfach nur wort-wörtlich auszulegen, sondern sie auf dem Feld situationsbedingt zu interpretieren. Das oft genannte Fingerspitzengefühl bei der Regelauslegung muß der Referee in Zukunft mitbringen. Er muß in der Lage sein unsportliches Verhalten in welcher Form auch immer zu erkennen, sich dabei auf seine Linienrichter und auf den vierten, fünften Offiziellen verlassen können und sich dem Respekt der Spieler sicher sein. Diese Schiedsrichter können dann auch unauffällig ein Turnier zu einem großen sportlichen Ereignis werden lassen.
Nicht mittendrin, sondern - in Ahnlehnung an den guten alten DSF-Werbeslogan - nur dabei, aber habe es trotzdem sehr genossen zu sehen, wie eine angefachte Euphorie durchaus Großes bewirken kann.
Leider ist diese Weltmeisterschaft nun vorbei und es bleiben im Endeffekt nur die Erinnerungen an schöne, interessante, zum Teil gähnend langweilige (in Bezug auf die Spiele) vier sonnige, heiße Wochen in Deutschland 2006. Über den erfolgreichen dritten Platz während dieser WM wird vielleicht im ersten Pflichtspiel gegen Irland nach einem enttäuschenden 1:0 Erfolg niemand mehr reden, aber spätestens wenn 2008 und 2010 wieder die allgegenwärtigen Moderatoren und Kommentatoren ihre Statistiken ausbreiten werden wir wieder mit diesem, weiteren großen Moment in der Geschichte des DFB konfrontiert.
In Anbetracht der Tatsache, daß nun wieder in den Medien das Tagesgeschäft Einzug erhält und in rund vier Wochen die (Telekom)-Liga Bundesliga ihre Pforten öffnet wird sicherlich nicht viel von der großen Euphorie und der allgegenwärtigen Party in den “grauen Alltag” hinüber gerettet.
Wenn aber zu großen Sportereignissen wie der EURO 2008 oder der WM 2010 in Südafrika wieder die Menschen bunten Fähnchen auf öffentlichen Plätzen bei sommerlichen Temperaturen schwenken und mit dem Team mitfiebern, dann ist doch schon ein bißchen was gewonnen.
Danke -"Deutschland"- für die WM
Gruß Atze _________________ Manche Leute haben einen geistigen Horizont von Null. Den nennen sie dann 'Standpunkt'. |
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